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Archive for the ‘Gewässerschutz’ Category

Der Regen des Mai hatte hiesige Bäche und Flüsse im Bereich des mittleren Abflusses gehalten. Mit Regenende wurde schnell dauerhafte Niedrigwasserführung erreicht, das Zeichen für eine Situation, die uns insbesondere aus dem Waldbereich vermittelt wird. Der obere Grundwasserleiter ist übernutzt und im vorigen Jahreswechsel nicht durch ausreichende Niederschläge entlastet worden, Bodenschichten im tieferen Wurzelhorizont der Bäume sind trocken. Woher sollen da stabilere Quellschüttungen unsere Bäche und kleinen Flüsse „füttern“?

Das Auto parkt im Schatten. Beim Angang durchquere ich ein kleines Wäldchen. Gesund sehen die Bäume – es ist fast Mitte Juni – in ihrem schütteren Laubkleid nicht aus.

Der Waldrand hat sich verändert. Ein quer zum Weg verlaufender Bach hat seinen Baumsaum durch vollständiges heruntersägen verloren. Pralle Sonne empfängt mich.

Ich quere den kleinen Bach – übersonnt, überhitzt.

In der Mühlenau Menschliches – Einweggrillmaterial bildet Sohlstruktur … Die Chinesische Wollhandkrabbe, Häutungsrest Panzer von unten, ist ein per Schifffahrt importierter Neozoe, der inzwischen von seiner Geburtszone Brackwasser auch die obersten Bachstrecken als Aufwuchsort regelhaft erreicht.

Wasserpest profitiert von strukturlosem Grund, übersonnter Überbreite.

Standorttypischer Wasserstern dagegen hat es schwer.

An vielen Strecken, wie z.B. hier aus dem Blog bekannt, hat sich bereits einiges getan, die lebensraumtypischen Pflanzen und Tiere kehren zurück. Unabhängig davon müssen Verbesserungen und weiter bestehende Probleme in ihrer Entwicklung beobachtet werden, ggf. ist nachzusteuern.

Spiegelung – Totbaum durch Erlenkrankheit.

Von spontanem Sterben bis langjährigem gegen die Krankheit ankämpfen sind alle Übergänge möglich. Wir hoffen auf resitente(re) Erlen.

Bunter Fisch zeigt Leben im Bach – rote Bauch-, After- und Schwanzflosse, Bänderung des Körpers.

Wie der des vorigen Beitrags guckt auch dieser Flussbarsch weiter munter im Bach herum.

Ich bin zur städtischen Strecke gewechselt. Ein Stockentenmann sonnt sich auf wiedergewonnenem Ufer.

Auch unter Wasser tut sich was, hier das Beispiel einer der gut von Forellen und Neunaugen belaichten Lenkbuhnen.

Ein gemischter Schwarm wohl zweijähriger Weissfische frisst, aufmerksam vor- und seitwärts schiessend, aus offensichtlich gerade stattfindendem Insektenschlupf.

Das muntere Treiben hält mich länger am Platz, als ich vorher annahm.

Insgesamt sind die Reaktionen der Bachlebensgemeinschaft auf Restaurieren äusserst erfreulich.

Weiterhin bleibt viel zu tun!

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Ein Rehbock …

Nein, ich habe keinen Bock geschossen, weder hier an der ländlichen Mühlenau noch anderswo.

Zwar ist der Bock zur Zeit „offen„. Aber ich besitze weder die erforderliche Waffe noch den Jagdschein. Und ich bin auch nicht Revierpächter oder Gast, zu Lande. Und das soll sich auch nicht ändern.

Manche meinen ja, ich hätte „den Jagdschein“, bei dem, was ich so treibe. – Das mag sein.

Allerdings bin ich gern gesehener Gast „am Wasser“.

Doch das ist eine andere Geschichte, demnächst. Der Bock hatte mit mir zu tun, verbellte mich lange, bis alle anderen Böcke, Ricken und Kitze ringsum um mich Bescheid wussten.

Näher betrachtet haben mich allerdings diese Augen.

Bevor nun lange gerätselt wird: Da guckt ein Flussbarsch, einer der buntesten unserer Süßwasserfische. Das leicht geneigte Auge zeigt, dass das Tier putzmunter ist. Kurz nach diesem Foto (zu sehen ist ein kleiner Ausschnitt) guckte der Barsch wieder unter Wasser. Zum Mitnehmen braucht er mindestens 2-3 Jahre mehr.

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Musste mal wieder sein – eine Fahrt in die 5-Bäche-Stadt Bad Bramstedt (Ohlau, Schmalfelder Au, Hudau, Osterau, Bramau).

Wer es genau nimmt, kommt wohl eher auf 3 Bäche: Ohlau plus Schmalfelder Au heissen ab Zusammentreffen Hudau, dazu kommt die Osterau und die Hudau wechselt fix ihren Namen in Bramau … – also 3 „Originale“ und ein, den Namen wechselndes Weiterfliessen. Bis dann die Stör erreicht ist, die in die Elbe mündet.

An der Ohlau erlebte ich das Folgende.

Dieser Blick ist aus diversen Blog-Beiträgen bekannt. Längst ist die „Baustellensituation“ mit großen Mengen zugegebenem Kies überwachsen, kaum wiederzuentdecken. An beiden benachbarten Flächen wurde jüngst gemäht.

Wie das bei intensiver Landwirtschaft so üblich ist, wurde nahezu 100 % des Aufwuchses genutzt. Einen Gewässerrandstreifen gibt es nicht.

Die ebenfalls gemähten Wiesen bachauf der Straßenbrücke zogen mich in ihren Bann.

Da lief, nicht fern, ein Storch. Steil ragte eine Feder aus dem Rücken – Klopperei mit anderen, Federwechsel?

Und auf „meiner“ Uferseite – 3 Störche.

Etwas östlich, auf derselben Mähwiese – noch 2 Störche.

„Drüben“ ist immer noch einer – derselbe, wie vorher, jetzt ohne sichtbar hochstehende Feder?

Donnerwetter, 6 Störche auf einmal – wann, ausser zur Zugzeit, habe ich solche Zahl gesehen?

Eigentlich bin ich ja zum Strukturgucken und wegen ein Bisschen Angelei hier …

Die Ohlau hat gut gearbeitet. Aller Kies ist bei höheren Abflüssen vom Depot bachauf der Brücke abgeräumt und bachab verteilt.

Mit Kies restaurierte Struktur (das Uferdepot ist weg, der Rest so gut wie nicht mehr erkennbar) und Pflanze (hier Aufrechter Merk / Berle und Wasserstern) bilden ein abwechslungsreiches Geschehen, diverse Strömungsverhältnisse.

Wenn Biologen angeln …
In dem Röhrchen steckt tatsächlich die Köcherfliegenlarve drin.

Als wäre das Ganze vom Architekten geplant: Häuschen aus Sand, drangepappt zwei Pflanzenstängel – Stabilisatoren, Lenker in der Strömung.

Nicht schlecht, was die Ohlau so zeigt. – Zurück Richtung Straße …

Die Störche haben sich auf der östlichen Mähwiese gesammelt, hinter Baumreihe, dicht an der Straße. Hier ziehen 3 ruhig, aber zügig ab.

Da sind noch mehr!

Die Federn richten! Die andere Gruppe sieht so aus, als zeigten die Eltern dem Nachwuchs, wie man welches Essen am Besten erkennt, auswählt.

Ok, soviel zum Themenstichwort Storch. Ohlau ist auch behandelt. Was aber hat es mit dem „Salat“ auf sich – da ist doch gar keiner, alles bis auf die Grasnarbe runtergemäht?!

Die Störche wissen das, sind keine Vegetarier. Wo sich wie hier, es sind inzwischen 10 Störche auf dieser Wiese, solche Mengen zusammenfinden, gibt es einen Grund. Als diese Art des Mähens aufkam, nannte man das „Kreiselmähermassaker“ (neuerer Link aus der Schweiz für internationales Thema; mal sehen, wie lange der verfügbar ist).

Die Störche untersuchen den Salat – „Fleischsalat“. Wir können uns vorstellen, dass ihr, offensichtlich ergiebiger und schmackhafter Salat nicht aus Wurst und Mayonaise besteht. Es dürfte eine bunte Mischung aus Insekten, Amphibien, Reptilien und Kleinsäugern sein. – „That`s life.“ oder „Wo viel Leben ist, ist auch viel Tod.“.

Ich habe das nicht erfunden, bin nur der Chronist.

[P.S.: Da fällt mir ein, ein ähnliches Geschehen sahen wir im trockenen Sommer 2018, von Wittenberge aus radelnd, aktuell ausgelöst, vgl. Bericht vom 21. August 2018.]

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Der Wonnemonat Mai hat uns, ganz anders als in den trockenen Vorjahren, etliche Regenfronten beschert.

Dass dazwischen immer noch „Platz“ war für angepasstes Radeln, belegen diverse Beiträge hier im Blog.

Anders als frühere Generationen, die das Wechselspiel Wasser und Boden beherrschten bzw. sich danach richteten, kümmern sich Grüne Berufe heute offenbar nicht darum.

Der Wetterbericht sagte, diese letzte Maifront müssten wir noch abreiten.

Immerhin hat dieser Mai hier, nordöstlich der Tideelbe, zwar keine Hochwässer gebracht, aber doch fast durchgängig für mittleren Abfluss gesorgt (gegenüber durchgängigem Niedrigwasserabfluss in den Vorjahren , schon seit April!).

Bezogen auf den nach wie vor trockenen Unterboden, tieferer Wurzelhorizont der Wälder, beschreiben die Meteorologen, dass wir noch mindestens 2 1/2 solcher Monate mit Regen bräuchten.

Gut, dass es erstmal gut ist damit – ich gehe mal wieder an einen Bach.

Ein Jahreszeitenschild.

Neue Schilder! – Hier?! – Meine Güte!

Nein, ich bin noch nicht am Thema angekommen. Dies hat nichts mit „Wolfgangs Ruh“ zu tun – möge das noch lange so bleiben.

Wer ist überhaupt dieser Wolfgang? Er ist einer der sachkundigesten Lokalkenner der hiesigen Bäche und kleinen Flüsse, voller bereits in der Vergangenheit erprobter Verbesserungerfahrungen und weiter mittenmang dabei.

Weiter geht`s, auch mal die Angel geschwungen.

Ich fange einen Stein, na also. Selbst beim Angeln steht die Gewässerbeweung an erster Stelle – wohl ein Rollegel.

Im Weiteren platscht gelegentlich irgendein Vierbeiner ins Wasser, sucht tauchend das Weite. Wandertunnel im Gras, Sitzplätze am Wasser – Bisam, Otter? Oder was?

Schon auffällig, was hier so an Spuren zu finden ist.

Dieses Rätsel blieb ungelöst. Hier war ich schon an „Wolfgangs Ruh“, so mein spontaner Gedanke, vorbei.

Kommt mal alle her! scheint dieses Rind zu rufen.

Ach, der BachVerrückte mal wieder!

Mit dieser schönen Rausche, Baumspiegelung im Anstrom, beende ich meine Tour, kehre um.

Auf der Mähwiese nebendran begleitet mich ein Fasanenpaar.

Weissdornblüte, gelbe Flechte.

Da kommt dieser ominöse Platz wieder in Sicht.

Der Wasserspiegel am Horizont, herangezoomt – da bewegt sich doch etwas!

Eine Stockente mit 6-8 Küken, es wuselt ordentlich.

Und auf dem hohen Ufer, vor Weissdornblüte …

DAS war doch wohl nicht der Wolfgang!? ging es mir beim Vorbeigehen vorher durch den Kopf. Warum nicht? So ein abendlicher Altersruhesitz, vielleicht?

Die Aussicht gegen Sonnenuntergang jedenfalls ist nicht schlecht! (Jetzt, am Morgen, fehlt halt noch die Sonne, der Untergang sowieso).

Weiter geht`s.

Da dachte ich, ich hätte die Enten umrundet. Ein schnelles PionierKüken war aber schon weiter als alle anderen. Das flüchtet nun mit vollem Einsatz vor dem überraschenden – und überraschten – Uferrandgucker.

Zum Schluss, per Mail kam die Info, konnte ja auch gar nicht sein: der Wolfgang war`s nicht. Erstmal hält der sich im verdienten Urlaub im Dänischen auf.

Wie sehen den letzten Maitagen – mit Sonnenschein! – sowie den für Juni angesagten Sommertagen interessiert entgegen. Was sie wohl am Boden, zu Wasser und in der Luft bringen werden.

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Ziel unserer Fahrt war Impfzentrum Pinneberg 1, Prisdorf, Peiner Hag.

Heute wurde Prio 3 unseres Haushalts erstgeimpft. Ich, Prio 2, kenne das Etablissemant bereits, komme nächsten Sonnabend mit der zweiten Impfung dran.

Die – kurze – Wartezeit wollte ich zu einer Stippvisite der (oder „des“, wie man will – wir befinden uns in einer Sprachgrenzregion) Bilsbek nutzen.

Prisdorf – Denkstein, Bäume, Büsche. Das feuerrote Spielmobil – blitzblank vom Regen neulich, kennt das Fahrzeug sonst nicht –  ist geparkt.

Bilsbekbrücke – Bäume, Büsche, Blau-Weiss und Grün bestimmen die Ansicht.

Tideniedrigwasser – darum bin ich hier.

Die Bilsbek, geschunden – sowas sieht man nicht mehr alle Tage, wenngleich noch allzu oft.

Gewässerausbau und fortwährende, harte Gewässerunterhaltung bestimmen  das Schicksal dieses Bachs.

Bachab wie zuvor bachauf im Blick gehabt – au weia!

Da verwundert der Blick auf Gewässersohle und Ufer nicht: Wasserbausteine, Einleitung mit Chemieschaum (Flur oder / und Auto sauber?!). Bewegter Sand verhindert flächenhaft Bachleben.

Zurück zum Impfzentrum.

Wie ich bereits Ende April, stand die Probandin zunächst geordnet – kurz – in der Wartereihe.

Als ich dran war, sinnierte ich noch, ob etwa der benachbarte Bäcker (mit seiner viel längeren Warteschlange) zu Impfende fehl-anziehen könnte.

Aber das Ziel ist eindeutig, nix wie rein!

Alles ist prima geregelt. Alle Unterlagen sind vorhanden. Impfen klappt, kurzer Schnack, 10 Minuten abwarten.

Alles klar, auf geht`s – raus.

Nicht ohne Grund spricht die Überschrift von 2 Bächen …

Das Tideniedrigwasser wollte ich mir nicht entgehen lassen, einen Blick über die Brücke Hindenburgdamm in die Pinnau zu werfen.

DAS sieht doch anders aus als das Elend zuvor! Kies-induzierte Turbulenz.

Und nochmal seitlich, Strömung kommt von rechts. In der ersten hohen Turbulenzfläche laichen seit 2 Jahren regelmäßig die Flussneunaugen, hier, im Tidebereich.

Sowas wusste vorher keiner zu berichten. Wir sind weiter begeistert über solch Neues lernen.

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Gestern bei einem Besuch an der ländlichen und der städtischen Mühlenau, Pinnau-Einzugsgebiet, Schleswig-Holstein, erlebten interessierte Besucher, wie Lebensraumvielfalt verbessert, teils erst wieder geschaffen werden kann.

Das Ganze fand statt in einer – im wahrsten Wortsinn – spannenden Atmosphäre, Sonnenschein vor Gewitterfront.

Blütenmeer ungedüngter Gewässerrandstreifen. Auf der Silomahdwiese nebendran fand gerade der erste Schnitt statt.

Durch Einengen, Profilieren des Niedrig- und Mittelwasserprofils haben wir, der Bach in Hochwässern und Großlaicher in bereits mehreren Laichperioden ein neues, lebendiges Bachbett geschaffen: Aus breit, unstrukturiert und still wurde ein munteres Bächlein.

Die Gewitterfront „ritten“ wir beim Wechsel zwischen ländlichem und städtischem Raum ab – Regen trommelte und lief wie Wasserfallmassen auf uns Autodach-geschützte herunter.

Mühlenau, Pinneberg, zwischen Bad und Rosengarten – vorn frisch bekiester, hinten älterer, (noch) nicht nachbekiester Belebungspunkt. Was hält sich drüben im Wasserwechselbereich auf?

Ah, ein Rotkehlchen – hat, wie so viele andere Vögel die Lenkbuhnen als Tränke und Badestelle entdeckt.

Und schon geht begeistertes Plantschen los. Als Beobachter ist zeitweise nicht zu erkennen, wo vorn und hinten, oben und unten ist – Hauptsache, der Vogel weiss das.

Vorn ist ordentlich Vogel-erzeugter Wellenschlag, Turbulenz zu erkennen. Im weiteren Verlauf ist das allerdings der Lenkbuhnenwirkung, wie beabsichtigt, zuzuschreiben.

Die Uferentlastung durch Kiesdepots, Lenkbuhnen, andernorts Treibselsammlern, führt zu einer neuen Übergangszone Wasser-Land. Schnell entdecken Pflanzen den Standort, erhöhen Arten- und Individuenzahl, bilden selbst neuen Lebensraum.

Die „richtige“, hierzulande fast in Vergessenheit geratene Bach-Biodiversität ergibt sich erst beim Vorhandensein der zugehörigen Uferbäume – Baum, Baumsaum, Auwald. [Die beiden folgenden Fotos sind langjährigen Leserinnen und Lesern dieses Blog bekannt. Ihr Eindruck spiegelt gleichwohl fortgesetzt das, was an unseren Bächen und Flüssen neben der inneren Struktur wohl am meisten fehlt.]

Pionierphase Erlensukzession, ca. 5 Jahre alt.

Lichter Erlensaum nach ca. 40 Jahren Entwicklung, vorn Aufrechter Merk (Berle, Berula erecta), im Foto nicht sichtbar Wasserstern, als standorttypische Begleiter.

Wer Biodiversität der Gewässer als Aufkleber, vielleicht zum Herumfahren, nutzen möchte, erhält dieses Exemplar beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: „Artenvielfalt ist Lebensqualität„.

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Wir haben eine neue Stelle aufgesucht, etliches bachab des Zusammenflusses der Quellbäche von Moorbek und Mühlenau.

Das Sandbett der Mühlenau in unstrukturiertem Kanal enthält kein sichtbares Lebenszeichen – immerhin aber Grobsand und Feinkies.

Nebendran fliesst ein Bach zu. Vielleicht hat der mehr zu bieten.

Optisch prägen durch Lichtüberschuss geförderte Blaualgenwatten den Bachgrund.

Hmmmh, gar nix, nur der Schmier ?

Nach etwas Mühen finde ich doch noch eine nackte Köcherfliegenlarve, Hydropsyche.

Ist hier irgendwas passiert? Was zeigt die Mühlenau bachab?

Das erste Kiesdepot bachab ist untypisch, aussergewöhnlich schwach besiedelt, hier: Bachflohkrebs, Wasserassel und Steinfliegen-fast-alles-Abkönner Nemoura.

An Gräsern im Wasser finden sich Köcherfliegenlarven – und wieder eine Wasserassel.

Die Larven suchen Halt, kommen dazu aus ihren HalmHäuschen weit heraus.

Auf rauschenden Rauschen finde ich mindestens eine Flussneunaugenlaichkuhle, vgl. dazu gesonderte Berichte von anderer Stelle.

Wo es den Tieren gefällt, legen sie gern mehrere Laichkuhlen, hier mindestens 2, an.

Und noch ´ne Rausche mit mindestens 2 Laichkuhlen.

Aber auch hier, neben Bachflohkrebsen allerhand Wasserasseln im Kies, die aufgrund ihres größeren Vorkommens erhöhte Organik anzeigen.

Von Unfällen wissen wir nichts, zum Glück sind auch keine Fischsterben berichtet. Aber komisch ist das schon!

Noch begleitet die Mühlenau auch hier kein Halbschatten spendender Baumsaum. So ist bei Lichtüberschuss nicht verwunderlich, dass auch hier Schmieralgenwatten etliche Strecken besiedeln.

Von gewässerökologischen Studien ist bekannt, dass diese Wirkung von Lichtüberschuss erheblich schädliche Tonnagen von Algenbiomasse aufbaut. Wo viel Leben ist, ist auch viel Tod – und wo, wie hier zu viel (verkehrtes!) Leben ist …

Wie an der Moorbek begleiten uns Schlammfliegen, Zeit für die Eiablage – an Pflanzen im Uferrand.

Um Einzelbäume herum schwärmen zahlreich schwarze Fliegen mit langen, behaarten Beinen – kann man so suchen und finden im Netz: die Märzfliege (im Mai), Bibio marci.

Die Osterhasen haben Urlaub.

Wir beobachten interessiert das Entstehen und Vergehen schicker Vortex-Formationen.

SO wird, angestoßen durch Turbulenzentwicklung durch die Kiese, tief Sauerstoff in die Wassersäule eingetragen.

Zum Abgang schwimmt ein Stockentenerpel krakeelend hinter uns her, will wohl sagen „Gut, dass ihr endlich weggeht“.

Letzte Station, städtische Mühlenau in Pinneberg, ein neues Kiesbett. Hier sind, kurz nach Herstellen, etliche Eintagsfliegenlarven zu finden. Dunkel, kurz vorm Schlupf, mittelgroß und – schon da – ganz junge.

Angesichts der Irritation im Mittelteil der Mühlenau werden wir die Längsuntersuchung später im Lauf des Jahres wiederholen – muss sein!

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Die Moorbek ist ein wichtiger Quellbach für die Mühlenau im Pinnau-Einzugsgebiet. Die Mühlenau selbst fällt in ihrer oberen Strecke oft sommertrocken aufgrund von Störungen ihres Einzugsgebiets durch Entwässern des Holmmoors, Verbreitern der Autobahn und durch den BAB-Rastplatz Holmmoor.

Im Stadtgebiet Norderstedt hat der NABU in Bachaktionstagen Verbesserungen an der Moorbek vorgenommen. 2020 hat der Wasserverband Mühlenau, gefördert durch den Kreis Segeberg, eine weitere Strecke im ländlichen Raum restauriert. Auch im Bachverlauf der Mühlenau nach Zusammenfluss mit der Moorbek wurden 2020 etliche Strecken verbessert, vgl. Berichte hier im Blog.

Es war an der Zeit, einmal nachzusehen, welche Auswirkungen die Umgestaltung der ehemals kanalartigen, überbreiten Strecken mit Erosionssand auf der Sohle, insbesondere im Hinblick auf biologische Besiedlung gebracht hat.

Zwar ist es schon etwas spät im Jahr, viele Insekten haben ihren Larvenlebensraum Wasser inzwischen geflügelt zum Hochzeitsflug verlassen. Aber gleichartige Beprobung sollte mindestens einen Vergleich unterschiedlicher Strecken zulassen.

Die neue Optik dieser Moorbekstrecke hält viele Besucher des Umfelds auf. Staunend betrachten sie den veränderten, belebten Bachlauf.

Informationstafeln stärken das Verständnis.

Emsige Ameisen vor Löwenzahn – gleich am Brückendurchfluss findet ein erstes, orientierendes Beproben statt.

Ein Bachflohkrebspärchen und ein Egel.

Ähnlich einer Spannerraupe saust der Egel im Rund der Schale. Die Flohkrebse schwimmen diversere Bahnen.

Zwei Köcherfliegenlarven und eine ertrunkene Rollassel kommen aus einem ruhigeren Bereich.

Und aus einer Ansammlung von Blättern und Ästchen werden ein junger Bachflohkrebs sowie eine Libellenlarve der Gattung Calopteryx freigespült.

Das Einbringen des Kieses bringt einen Anstoß zu differenzierten Strömungsbedingungen in Längs- und Querrichtung. Daraus erfolgt Strukturieren der vorher eintönigen Sohle hin zu unterschiedlichen Lebensbedingungen. Dementsprechend reagiert die Lebewelt mit ihrem nun in Arten- und Individuenzahl zunehmenden Vorkommen. – Ein vorbeikommender Spaziergänger ist begeistert, wir auch.

Die Moorbek schlängelt sich jetzt in ihrem früher gleichförmigen Bett mit Niedrig- und Mittelwasserprofil.

Auch „Altlasten“ sind weiter vorhanden, hier „fett“ Algenschmier auf Wasserpest, vorwiegend gesteuert durch Lichtüberschuss, wo standorttypischer Baumsaum am Ufer fehlt.

Das Umstrukturieren stärkt aber die charakteristischen Wasserpflanzen, hier den Wasserstern.

Beim Aussieben des hier in Teilen des Profils stabil liegenden Sandes bringt in Grobsand und Feinkies Larven der Großen Maifliege Ephemera (oben links eine einjährige, mit Glück wird sie Mai / Juni 2022 zum erwachsenen Insekt) und jede Menge Kleinmuscheln der Gattungen Sphaerium und Pisidium zutage.

Auch hier der Bachflohkrebs und die Bauchansicht einer Libellenlarve Calopteryx.

Im seitlich liegenden Laub finden sich Zweiflüglerlarven.

Unbehandelte Teilstrecken zwischen den Kiesen zeigen sehr gut die sich jetzt windende, längs- und querdifferenzierte Ausformung des Bachs.

Standorttypische Schwarzerlen – über das Jahr wird die Entwicklung von Uferbäumen verfolgt.

Je nach Eigenentwicklung angesichts vielfältiger Mutterbäume im Umfeld kann sich ein charakteristischer, den Bach von Überheizen entlastender Halbschatten ausbilden. Falls Artenbreite und zeitliches Vorankommen nicht hinreichend erscheinen, wird über punktuelle Anpflanzungen nachzudenken sein.

Neben den gut verbreiteten Bachflohkrebsen, als Blatt-Schredderer wesentlicher Start der Bach-Nahrungskette, sind einzelne Eintagsfliegen vor Ort. Ihre dunkle Farbe zeigt, dass sie kurz vor Wechsel ins Erwachsenenstadium stehen, das Wasser bald verlassen.

Die kleinen „Würmchen“ in der Schale sind mitgefangene, beim Siebausspülen nicht verloren gegangene Larven von Zuckmücken, Chironomiden. Diese sind eine weltweit in fliessenden und stillen Gewässern je nach Lebensraum arten- und individuenreich angepasste Insektengruppe – beim Arbeiten mit dem Haushaltssieb meist „übersehen“ (sie gehören nicht zum Spektrum der mit dieser Methode gesuchten Gruppen).

Weisse Schale, Totale – die ganze Zeit, verdrängt von Konzentration auf Leben im Wasser, kribbelt und krabbelt es irgendwo, es kitzelt auf der Haut: vorn eine Schlammfliege.

Sie und ihre Artgenossen werden, so sie nicht vorher von Vögeln, Fischen, Fledermäusen gefressen werden, ihre Eipakete auf Blättern von Uferrandpflanzen als Pakete ablegen. Von dort plumpsen die schlüpfenden Larven ins Gewässer und werden sich, s. Artname, in weichen Ufer- und Sohlepartien entwickeln.

Eine nicht bearbeitete Teilstrecke – Wasserpest, sie macht ihrem Namen in übersonnten, untypisch still fliessenden Bach-Ruinen alle Ehre, setzt auf Übernahme der gesamten Bachbreite. Der Ruf nach Ausmähen wird folgen.

Ein Hund geniesst die Möglichkeit, den sommerkühlen Bach auf einer Rausche zu nutzen.

Wie der Wanderer am Start ist auch der Hundeführer beeindruckt von der ihm bislang unbekannten, wiederherstellbaren Lebensvielfalt im Bach. Was wir ihm auch hier zeigen können, entspricht dem bisher Dargestellten.

Übertiefer, überbreiter Canyon – auf Restaurieren wartende Strecke.

Durch Frühlingsbuchenwald, klimagerecht feucht gehalten, gehen wir zurück.

Die Besiedlung der ländlichen Mühlenau nach Zusammentreffen mit der Moorbek wird in Teil 2 beschrieben.

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Die Ekholter Au ist 2020 wie die Krückau, der sie zufliesst sowie die Mühlenau und die Moorbek im Pinnau-Einzugsgebiet in einer größeren Aktion bekiest worden. Dies betraf eine Strecke von ca. 600 m, vgl. Bericht hier im Blog vom 20. Oktober 2020.

Dieses Gewässer zeichnet sich, verursacht durch Entwässerungen und intensive Nutzung von empfindlichen Böden im oberen Einzugsgebiet, durch extreme Eisenbelastung aus. Aufgrund von Strukturarmut, der Bachlauf ist auf ganzer Länge kanalartig ausgebaut und unterhalten, wird das gelöste Eisen nur zögerlich oxidiert, sich bildender Eisenocker kann sich kaum in seitlichen, beruhigten Strecken ablagern, so dass ein Großteil dieser besiedlungsfeindlichen Situation bis in die Krückau ausstrahlt. Beschrieben ist die Eisen-Thematik unter anderem im Blog am 1. Juli 2020.

Wir, eine Unterelbeschulen-Aktive, die diesen Bach für Verbesserungen vorgeschlagen hatte, und ich, wollten uns ein Bild machen, in wieweit die bekieste Strecke für Lebensgemeinschaften im Gewässer neue Grundlagen schafft.

Plan liegt die benachbarte Mähwiese da. Man wundert sich, dass – um ca. 1,5 m unter Geländehöhe gelegt und kanalartig ausgebaut, daneben ein Bach fliessen soll.

Mai 2021, das Wiesenschaumkraut – hier vor Löwenzahn – blüht.

Wie gesagt, tief fliesst er da, der Bach – hier unter Kirschblüte.

Über das Orange des Eisenockers, das den Kies bis etwa Mittelwasser prägt (kein Regen floss bislang höher ab), brauche ich angesichts der Fotos im obigen Link (1. Juli 2020) hier nicht zu berichten. – Um korrekt zu sein, siehe die Spiegelung auf der Wasseroberfläche, ist „Fliessen“ angesichts herrschender Überbreite im Mittel- / Niedrigwasserprofil auf den ersten Blick kaum festzustellen.

Wo Kies bereits zu Sohlstruktur gelegt wurde, wird turbulentes Fliessen angeregt. – Die glatte linksufrige Bekiesung wurde von Anliegern zu eigenem Uferschutz aus den Depots entnommen und umgelegt.

Vom unteren Ende aus – Blick bachauf im Abendlicht – geht unsere Untersuchung los.

In stark belichteten Strecken wachsen Uferpflanzen, Gräser ein. Hier flutet der Schwaden, Flutender Schwaden.

Igitt, in stark besonnten Bereichen ist auf der Sohle und an im Wasser flutenden Randpflanzen nur Algenschmier zu finden.

Das soll doch wohl nicht alles sein ? ! ?

Neuer Versuch. Oha, da ist der Wurm drin! Die Starkregenfälle haben offenbar Regenwürmer stark in Bewegung gebracht. Wer Pech hatte, fiel in den Bach oder wurde eingeschwemmt.

Bei genauerem Hinsehen ist im Foto auch eine kleine Wasserassel erkennbar.

Wir hatten aber auch bachtypische Pflanzen wie Wasserstern gesehen und beim Bekiesen strömungsfördernd begünstigt.

Also, ran an den Kies!

An anderer Stelle ist mehr Lebendiges zu finden. Große und kleine Wasserasseln, nicht gerade toll für einen Bach, aber immerhin.

Ich hatte aus Transportgründen vor Ort meine große, weisse Schale nicht mitgenommen. Das rächt sich insofern, als der Wasserfilm über den Organismen nähere Ansprache erschwert. Hier ist wohl eine Käferlarve mit auf dem Sieb.

Und dann, andernorts, neben einer mittleren Wasserassel ein großer Bachflohkrebs!

Was anderswo normal und dominierend ist, freut uns nun angesichts des Bisherigen, auch in Einzahl!

Wäre doch gelacht, wenn solch belebte Stelle nicht doch etwas böte … ?

Kleine Wasserassel – und … zwei große Bachflohkrebspärchen.

Sollte sich hier gute Vermehrung anbahnen?

Ja, weiteres Beproben bringt doch einige Bachflohkrebspärchen mehr auf das Sieb.

Die Strukturveränderung bewirkt, dass Geschwemmsel von Blättern und Ästchen zeitweise gehalten, zwischengelagert wird.

Wo Uferbäume, hier mit Altbaumstubben, erosionsgefährdet standen, haben wir mit Kies für Entlastung, das heisst längerfristigen Erhalt gesorgt.

Es scheint, die turbulenter gestaltete Strecke hilft bei der Wiederbesiedlung.

Letzte Beprobung, siehe da: neben einer großen Wasserassel und großen Bachflohkrebspärchen findet sich hier auch ein kleiner Bachflohkrebs.

Dann sind wir mal auf künftige Beprobungen gespannt! – So richtig super, vgl. andere Ergebnisse nach Bekiesen hier im Blog – zu finden per Suche z.B. mit Stichworten wie Wirbellose, Tierchen, Viecher -, ist der Zustand der Ekholter Au wahrlich nicht. Ohne Anfassen der Ursachen, unter anderem des zerstörten Boden-Wasserhaushalts im oberen Einzugsgebiet, werden auch hilfreiche Maßnahmen nur Makulatur bleiben. Bekannt ist aus der Literatur, dass die charakteristischen Insektenlarven von Eintags-, Köcher- und Steinfliegen in „Eisen-Bächen“ kaum vorkommen bzw. fehlen.

Wir sind am oberen Ende angekommen. Überbreit, kanalartig, spiegelnd – das ist kein Bach, selbst wenn es mal einer war.

Nur das „Brechen des Spiegels“, das Einengen und Schaffen strukturreicher Mittel- und Niedrigwasserverhältnisse wird Abhilfe bringen.

Da blitzt etwas weiss vom Gewässergrund – doch noch einmal das Sieb einsetzen.

Von oben angesehen – eine Wollhandkrabbe. Offenbar wandern die überallhin, wo immer sie etwas, Tierisches oder Pflanzliches, zu fressen finden.

Das Tier verhält sich unbeweglich – tot oder vor Häutung (so tot scheinende Wollhandkrabben hatten wir an der Mühlenau, Pinneberg, als in Häutung begriffen kennengelernt) – das ist nicht zu klären.

Als Besonderheit an diesem Tier fällt auf, dass neben der normal großen Schere eine kleine vorhanden ist. Wir dürfen vermuten, dass evt. ein benachbarter Teichbesitzer unter Abreissen der einen Beinseite (Scherenarm nachgewachsen) seinen Teich von diesem Tier, vielleicht auch Artgenossen „entlastet“ hat.

Sachen gibt`s.

Die Ekholter Au jedenfalls bleibt ein Patient, tragisch, aber mit Aussichten. Darüber wird weiter zu berichten sein.

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Der Ur-Beitrag vom 2. Mai beschäftigt sich mit gesägten Bäumen, dem Wert von Bäumen sowie der (verbesserungsfähigen) Wahrnehmung von Bäumen, insbesondere im bebauten Raum.

Selbst in turbulent fortschreitenden Zeiten des Klimawandels nehmen wir den Baum, die Allee, den Wald, nicht hinreichend wahr. Dabei gehört er zum über Jahrmillionen entwickelten, bewährten Kühlsystem der Natur, Hitzeinseln verhindernd – bei Einsicht: bestehende Hitzeinseln mindernd, bei Planungen vorsorglich vermeidend.

Es gab viele Weiterleitungen und etliche Diskussionen, nicht zuletzt über die Beispiel-Kalkulation im Beitrag über „einen Baum“ und sein Äquivalent, im Beitrag vom 2.Mai vereinfacht an einer Kugel-Betrachtung / -Berechnung dargestellt.

Immer klarer wird, dass wir in Sachen Rechnen, Mathematik einen Kulturwandel hinter uns haben. Im Netz danach gesucht – und gefunden!

Man soll Äpfel ja nicht mit Pferdeäpfeln gleichsetzen. Aber – Beispiel Baum – vielleicht den Apfel (als Teilwert eines Baums) mit einem „Erdapfel“, der Kartoffel.

Die alte, zu meiner Begeisterung fortgeschriebene Betrachtung über Veränderungen des Lernens, des Rechnens, des Umgangs mit der Mathematik am Beispiel der Kartoffel, verlinke ich hier.

Ich nehme an, die dort dargestellte Entwicklung ist nachvollziehbar. Wir sind auf einem anderen Stand als in den 1950ern. – Gleichwohl, viel Spaß !

Busch und Pappelreihe nahe Elbdeich – nachmittags, so um Sonnenuntergang.

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