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Archive for 9. Februar 2019

Blick von der Fahltbrücke Richtung S-Bahnquerung der Mühlenau, Dez. 2018.

An einer Stelle, wo vor gut einem Jahr das THW einen Pkw aufwändig aus der Mühlenau bergen musste, finden wir für die Lebensraumverbesserung mit Kies schwierige Bedingungen vor. Mit unseren üblichen Beschickungen der Strecke können wir nicht arbeiten. Warum also im Kleinen nicht umgekehrt das machen, was das THW vorgemacht hat – statt Pkw raus, Kies rein. Wir fanden einen geeigneten Lkw mit Bagger am Hydraulikarm – beauftragt im Rahmen der Förderung „Biotope verbinden und erleben im Regionalpark Wedeler Au“, Projekt der Metropolregion Hamburg.

Blick bachauf von der Fußgängerunterführung.

Irgendwo oben „auf der Kante“ muss der Lkw einen passenden Standort finden (Foto 6.01.2018, „Burglind“-Hochwassereinstau).

Wie im vorstehenden Foto zu sehen (vgl. auch Beitrag vom 8. Januar 2018), wird der Kies nicht bei Hochwasser transportiert, sondern irgendwo zwischen Niedrig- und gut Mittelwasser. Das Hochwasser staut sich hier eher ein, evt. verstärkt durch Schliessen des Pinnausperrwerks, wenn gleichzeitig in der Elbe Sturmflutlage herrscht. So in etwa, bis hier, muss man sich wohl die Stauwurzel des historischen Mühlenteichs Pinneberg vorstellen.

Da ist der Lkw also in Position, tief unten fliesst die Mühlenau.

Hangparallel verläuft eine Fernwärmeleitung – davon mussten wir mit unserer Tonnage selbstverständlich sicheren Abstand wahren.

Und so testen wir erstmal – leer -, wie weit der Hydraulikarm überhaupt über den Hang reicht.

Ok, kann losgehen. Das Wasser erreichen wir immerhin.

Der erste Greifer Kies.

Platsch – nach etlichen Greiferladungen taucht der Kies aus dem Wasserstand Mittelwasser plus X auf.

Von der Fahltbrücke ist noch nicht allzu viel Neues zu sehen.

Der Kiesberg wächst, Abschluss mit der Böschung = Erosionsschutz, zur Wasserseite baut sich ein natürlicher Schüttwinkel auf.

Blick bachauf – „dürfen die das?!“

Blick zum Engpass S-Bahnquerung – Schuss.

Ja, das dürfen wir, die Arbeiten erfolgen im Rahmen der Gewässerunterhaltung „Lebensraumverbesserung bei Aufrechterhalten des geordneten Wasserabflusses“, abgestimmt mit der Stadt Pinneberg und der Wasserbehörde beim Kreis.

Nanu, Fehlfoto? – Mal näher hinsehen.

Auch im Ausschnitt kaum auszumachen – ein interessierter Beobachter, das Rotkehlchen.

So geht die Arbeit voran – ringsum das übliche Geschehen im Umfeld eines Bahnhofs.

So langsam leert sich der Lkw.

Als mit der zweiten (Rest-)Fuhre ca. 20 von 25 t abgeladen sind, kann ich Schluss machen. Der versierte Fahrer kennt das Prinzip und bringt die Arbeit ordnungsgemäß zu Ende.

Das Strömungsbild ist in Ordnung, beide Ufer sind erosionsgeschützt.

Der Lkw-Fahrer und Baggerkranführer erhält für seine gute Arbeit von mir virtuell das „Gewässerrestaurierer-Diplom“ in Form der Broschüre „Bessere Bäche“ überreicht. Gern wollen wir gelegentlich Ähnliches wiederholen.

Letzter Blick von der S-Bahnunterführung bachauf.

Nun sind wir gespannt, wann und wie die Mühlenau mit dem Kies arbeitet. Mittelfristiges Ziel ist, den Kies durch die Kurve über den Schuss des Engpasses bachab der S-Bahnquerung zur Ruhe kommen zu lassen. Dort wird die Mühlenau gute Laichplätze für Fische und Neunaugen aufbauen. Wenn sie das absehbar nicht tut, werden wir mit unserer „Wathosen-Crew“ nachhelfen.

Schon interessant, wie sich die Zeiten ändern (zum Glück!) – als ich vor Zeiten ein erstes Laichbett für Forellen im Niedersächsischen anregte, gab es die unterschiedlichsten Reaktionen. Von Begeisterung bis hin zu völligem Unverständnis. Ein Wasserbauer herrschte mich an, mein fuzzeliger Kies würde ratz-fatz vom Bach weggespült werden. Ich müsse mindestens Kindskopf-große Steine nehmen (und das für ein Laichbett …). Das Ganze wurde als Bau gesehen, ein Bauantrag in 7-facher Ausfertigung musste eingereicht werden mit Karte und Plan, WO der Kies liegen (bleiben!) sollte. Immerhin wurde in heftigen Geburtskrämpfen ein Experiment zugelassen. – Der Kies wurde dann in der Tat NICHT weggespült, gleichwohl von laichenden Fischen und schwankendem Wasserstand bewegt. Nach 15 Jahren kam ein erstes nennenswertes Hochwasser, das das gesamte Laichbett um ca. 1,5 m bachab schob. Erstaunlich, so im Ganzen. Die beiden folgenden extremen Hochwässer, Jahre später, erledigten dann – gemeinsam mit dem jahrelangen erfolgreichen Ablaichen von Forellen und Neunaugen -, was eigentlich erwartet wurde vom lebendigen Gewässer. Die Einheit wurde aufgelöst in eine abwechslungsreiche Gewässersohle mit Laichkuhlen und -inseln (-hügeln). Das ganze Geschehen wurde aus der 1. Reihe interessiert beobachtet vom Grundeigentümer (Landwirt mit Milchviehhaltung und Ackerbauer). – Mit solch Erfahrungen bleibt und wächst der Mut, Experimente weiter zu führen. Das Miterleben der Beteiligten hilft von Einsatz zu Einsatz – Begeisterung nimmt zu, Skepsis ab.

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