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Archive for 29. April 2018

Nachdem nun über die biologische Besiedlung von Kiesen und Treibselsammlern an  der Osterau im Wildpark Eekholt, über die TUHH-Exkursion an die Este (35 Jahre Restaurieren als Praxisbeispiel) sowie über die Besiedlung der 2017 in die Mühlenau, Pinnau-Einzugsgebiet, eingebrachten Kiese berichtet wurde, folgt heute die Ohlau, Bad Bramstedt.

Hier sieht es bislang genau so (schlecht) aus wie an nahezu allen Moränenbächen des Norddeutschen Tieflands, da der eigentliche Lebensraum über die vergangenen beiden Jahrzehnte so gut wie nicht verbessert wurde. Dementsprechend – mit Blick auf alle Gewässer Deutschlands (gilt auch noch übergreifender in Europa) – fallen Zahlen und Verweise auf Ursachen aus.

Es muss also jeweils vor Ort ((viel) mehr) gehandelt werden. Gesessen und gesprochen wird genug, Gutachten jeglicher Art haben genügend Steuergelder beansprucht.

Wir haben etwas getan, 2017 zunächst, um die Ohlau in ihrem Verhalten kennen zu lernen. Mehr kann folgen.

Auf meiner Tierchen-Untersuchungsreise gen Norden bin ich in Bad Bramstedt angekommen.

Gleich südlich der Bebauung an der Ohlau ist unsere Teststrecke. Ein Golfplatz scheint seine Aktivitätsgrenze bis unmittelbar an die Wasserlinie zu beanspruchen (gern kann der Verein beim Restaurieren mitmachen).

Weite Strecken sind durch Baumfreiheit und daraus resultierende übermäßige Erosion gekennzeichnet. Das überbreite Gewässerbett schadet Flora und Fauna.

Im bewegten Sand halten sich weder Pflanzenwurzeln noch sind auf z.B. 100 m² ein paar Tiere auffindbar.

Noch vor wenigen Jahren laichten hier, an der Abflussmessstelle, im baumbestandenen Prallhang auf Kies und Geröll Meerneunaugen. Inzwischen ist jegliche standorttypische Struktur von bewegtem Sand begraben.

Im Beitrag vom Nikolaustag vergangenen Jahres (6.12.2017, Suche über Kalenderfunktion) habe ich beschrieben, wie „Hölzchen & Stöckchen“ hier eingebaut wurden. Getestet werden sollte, ob so zum Einen das Ufer von übermäßiger Erosion entlastet werden kann, zum Weiteren, ob über Ufer-/Landaufbau eine so strömungslenkende Wirkung entsteht, dass die Prallhangsituation wieder optimiert ist.

Da steht der unterste Treibselsammler. Offenbar hat er etwas gesammelt.

Die beiden oberen Treibselsammler.

Landseitig Uferschutz und Landgewinnung, Turbulenz zur Bachmitte zeichnen sich ab.

Uferschutz, Landgewinnung, Turbulenz – der Bachquerschnitt ist diversifiziert.

Allerlei treibendes feines Astwerk bildet dreidimensionale Struktur, auch treibende Pflanzen sind festgehalten worden.

Genauer betrachtet sind hier von Wasser- zu Landpflanzen mindestens 3 Arten aufgehalten.

Wir dürfen gespannt sein, wie die dreidimensionale Entwicklung und die Besiedlung mit Pflanzen weiter geht.

Nun erstmal zu den Tieren.

Köcherfliegenlarven mit Pflanzen- und / oder Totholzhaus besiedeln die festgehaltenen Ästchen.

Runde Eintagsfliegenlarven mit fadenförmigen Kiemen ebenso.

An den turbulenten Strömungskanten des neu aufgebauten Lands sind Feinkiese frei gespült worden.

Im Feinkies finden sich die grabenden Eintagsfliegenlarven Ephemera, unterschiedlich alt.

Über Kleinmuscheln und zahlreiche Bachflohkrebse muss ich nach den vorangegangenen Berichten von anderswo sicherlich nicht berichten.

Die Ohlau, unbehandelt, bleibt gekennzeichnet von bewegtem, einkörnigen Sand – lebensfeindliche Wüstenei.

Blick aufwärts von der Messstation – hier sollen noch Kies-Strömungslenker folgen. Die Treibselsammler können durch zusätzliche Stöckchen Richtung Bachmitte in ihrer Strömungslenkwirkung intensiviert werden.

Es passen wohl auch noch ein paar zusätzliche Treibselsammler zwischen Teststrecke und Messstation.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich der erste Test mehr als gelohnt hat. Da satteln wir drauf.

Durch ein kleines Stück Frühlings-blühenden, halbschattigen Auwald gehe ich zum Auto zurück.

Möge die Bedeutung unserer Bäche und kleinen Flüsse stärker erkannt, ihnen mehr Wertschätzung entgegen gebracht werden. Dann ginge es – wie in DK seit Jahrzehnten vorgemacht – auch mit unseren Salmonidengewässern aufwärts.

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