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Archive for 25. April 2018

TUHH, Technische Universität Hamburg-Harburg, alt und neu vereint.

Wie jedes Jahr gehen wir auf Exkursion, um Grundlagen im Umfeld Wasser und Boden kennen zu lernen, Probleme erkennen zu lernen und anhand 3 1/2 Jahrzehnten Bach-Restaurieren richtiges und falsches Handeln abwägen zu können.

Voriges Jahr hatten wir sehr spannendes Wetter, wer interessiert ist, sieht über die Kalenderfunktion (rechte Spalte) am 25. April 2017 nach. Wer sich auch für die Seeve-Exkursion interessiert, findet sie unter dem Datum 30. April 2017.

Dieses Jahr ist es kühl, aber durchweg sonnig – Superwetter. Insgesamt nehmen an Hydrobiology 14 Studenten aus 7 Ländern teil.

Aus Frankreich, Indien, Ghana, Iran, Deutschland, Nigeria und USA kommen – gereiht nach Häufigkeit –  die Teilnehmer.

Es gilt, zwischen Schein und Sein zu unterscheiden. Dieser spiegelnde Mäander weist eine eintönige Überbreite auf, spiegelt fast ohne Turbulenz – Restaurierungsbedarf auf dem Weg zum gesunden Bach. Positiv: dreidimensionaler Baumbewuchs hält den sommerkühlen Bach bei richtiger Maximaltemperatur.

Der Baum, die Bäume, der Baumsaum, der Auwald – allzu Vernachlässigtes entlang deutscher Bäche und kleiner Flüsse. Dazu Nachzulesendes hier (meine Adresse darauf stimmt seit Umzug 2016 nicht mehr, die e-Mail-Adresse gilt weiter).

Wichtig unter Brücken: Otterbermen, festes Land beidseits. Die meisten unnatürlichen Ottertode entstehen neben dem Ertrinken in Reusen (kammer was gegen tun!) durch Straßentod.

Beim Queren von Brücken laufen die Fischotter über die Straße, wenn kein „Land“ zur Querung unter der Brücke besteht.

Bachab der Brücke, wie üblich, in guter Turbulenz ausgeprägte Forellenlaichplätze – geschlagene Kuhle, aufgeworfener heller Kieshügel. Darin liegen die Eier/Fischlarven, bis sie gegen April den Kies verlassen.

Restaurieren FALSCH: Längsversteinerung eines Prallhangs, Verlust der Eigendynamik und der Fischunterstände.

Der Mäandervergleich, 1. Überbreit, restaurierungsfähig.

Das Positive dieser Station: ein Gewässerrandstreifen wurde vom dichten Nadelwald befreit. Wir dürfen gespannt sein, ob sich Mischwald mit Erlen am Ufer einstellt (Hoffentlich übernimmt nicht das Drüsige Springkraut in seiner ungeheuren Besiedlungs- und Wachstumsgeschwindigkeit die Fläche).

Mäandervergleich, 2. Vorbildlich durch Feinturbulenz im gesamten Verlauf geprägter Mäander – durch gekonntes Restaurieren. Dies erfolgte im Rahmen von Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen zur „Schröder-Putin-Pipeline“, NEL.

NEL heisst Nordeuropäische Erdgasleitung.

Gewässerunterhaltung / Restaurieren FALSCH: wieder ein längsversteinerter Prallhang, Verlust von Eigendynamik und Fischunterständen.

Gewässerunterhaltung / Restaurieren FALSCH: Längsversteinerung ersetzt Baumwurzeln. Verlust von Fischunterständen insbesondere für GROSSfisch zur Laichzeit, benachbart optimale Laichplätze.

Es ist schon schmerzhaft zu sehen, wie wenig „Blick“ Zuständige und / oder wohlmeinende Laien wie auch Fachleute mit fehlender richtiger Praxis entwickeln. Fortbildung scheint in diesem Personenkreis ebenfalls wenig Wirkung zu haben.

Wer praxisnahe Erfahrungen  mit Fehlervermeidung sucht, findet Grundlagen in (2000), bereits länger Realisiertes in (2005) und jüngere Beispiele in (2015). Notwendigkeiten speziell für die Este finden sich hier (2014).

Sehr gut, dass Totholz, wo es nicht stört, akzeptiert und liegengelassen wird. Mögen solche Erkenntnisse zunehmen.

Die Este trifft einen Prallhang. Wir stehen hoch über der Wasseroberfläche.

Eigendynamik am Treffpunkt – wir werfen einen genaueren Blick auf den scheinbaren Sandberg / die Düne (?).

Sieh an! Eigendynamik am Prallhang trifft Moräne, wäscht Kiese aus. Unsere Moränen- / Heidebäche waren einmal fast durchweg Kiesbäche. Man muss es nur sehen (wollen) und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Literatur zur Entwicklung unserer Moränen- / Heidebäche findet sich z.B. bei Altmüller & Dettmer (1996) und Madsen & Tent (2000).

Hier ist ein weiterer, interessanter Aspekt zu erwähnen. Bis vor Kurzem stand „schwarzer“, dichter Nadelwald vor der Moräne, in die Aue standortuntypisch gepflanzt. Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen ermöglichten den Wechsel zum Auwald, ca. 1/3 Fläche Start-bepflanzt, der Rest für Sukzession vorgesehen.

Hangsickerquellen auf dem Rückweg, Eisenocker fällt aus, sobald Sauerstoff an das austretende, sauerstofffreie Grundwasser gelangt.

Das aus der Aue abfliessende Wasser ist dann glasklar.

Näheres zur Ocker-Thematik findet sich z.B. hier oder in Kurzbeschreibung für Laien hier.

Eins von vielen Meerforellenlaichbetten, in schicker Turbulenz.

Beprobung aus dem Umfeld ergibt Steinfliegen.

Es finden sich die typischen, flachen Eintagsfliegenlarven.

Jede Menge Bachflohkrebse und Öhrchenstrudelwürmer.

An anderer Stelle, mäßig turbulent, finden sich runde Eintagsfliegenlarven, Schnellbesiedler und mehrjährig grabende Larven.

Köcherfliegenlarven mit und ohne Haus.

Köcherfliegenlarven und Bachflohkrebse.

Köcher- und Eintagsfliegenlarven und der Öhrchenstrudelwurm.

Das Beste der Este: 35 Jahre Restaurieren aus baumfreier Kanal-Wüstenei haben lichte Auwald-ähnliche Situation mit zugehörigen Wasserpflanzen entstehen lassen.

Dieser Aspekt und die gefundene Tierwelt erfreuen besonders. In den beiden vorangegangenen Exkursionsjahren entstand fast der Eindruck, als wirke hier – verringerte Arten- und Individuenzahl – irgendein chronisches, Agrar-verursachtes Geschehen negativ bei positiv entwickelter Grundstruktur.

Nach solch umfassender Exkursion geniesse ich Essen und Trinken besonders.

 

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