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Archive for 3. September 2011

Seit Jahrzehnten engagiert sich eine Gruppe hoch qualifizierter und hartnäckiger Bach- und Heimatfreunde für die Wernigeröder Forellenbäche. Mit vielen Kooperationspartnern haben sie es geschafft, nachdem die Abwasserprobleme Anfang der 1990er abgestellt werden konnten, aus ökologisch toten (sehen wir mal von den Abwasserbakterien ab) Harzgewässern wieder wahre Kleinode entstehen zu lassen. Dazu gehörte vor allem auch, die zahlreichen Wanderhindernisse auf dem Weg zu Laich- und Aufwuchsstrecken zu bereinigen.

Inzwischen sind im bebauten Stadtbereich Wernigerode alle Hindernisse in so vielen, ortsangepassten Varianten umgestaltet, dass ein interessanter Lehrpfad über Fischpässe auf den interessierten Wanderer wartet.

2011 lud der Wildfisch- und Gewässerschutz 1985 Wernigerode e.V. ins Haus der Nationalparkverwaltung zum 7. Wernigeröder Wildfisch-Symposium ein.

Für besonders interessierte Leserinnen und Leser  verlinke ich zu einem Ortskundigen bei scienceblogs.de (schließlich geht es ja tatsächlich um verbessernd in der Natur angewandte Wissenschaft) – viel Spaß!

Auf geht`s mit der Elbe-Saale-Bahn - von Dessau nach Wernigerode, der bunten Stadt am Harz.

Vorbei an der bekannten EU-Agrarsteppe - Unser täglich Gift gib uns heute.

Ankunft am Bahnhof Wernigerode - das Schloss grüßt vom Berg.

Auf der Suche nach der Goldforelle - Goethe fand sie schon 1777.

Auf der Suche nach der Goldforelle - Goldrute am Wallgraben der Stadtmauer.

Auf der Suche nach der Goldforelle - die berühmten "goldenen (?) Türgriffe".

Forellen gefunden - aber rote! - Wappentier der Stadt und des Landkreises Wernigerode.

Und dann die Überraschung in interessanter Vortragsveranstaltung – da ist sie ja:

2011 - Für 10 Jahre überaus ertragreicher Kooperation wird die Wernigeröder Goldforelle verliehen. - Ganz herzlichen Dank !

Nach getaner Arbeit und gelungenem Arbeitsessen geht es durch mittelalterliche Gassen ...

... zurück zum Hotel in Marktplatz- / Rathausnähe.

Am nächsten Morgen startet die zum Symposium gehörende Exkursion. Aber vor der üblichen Begutachtung umgebauter Wanderhindernisse gilt es dieses Mal, Fische zu retten: ein Wehr-Umbau steht unmittelbar bevor, wir helfen, die im Baustellenbereich gefährdeten Fische in gefahrlose Strecken zu bringen.

Einführung in das Elektrofischen, eine zu Recht nur dem ausgebildeten Fachmann mit Sondererlaubnis gestattete Methodik zur Bestandserfassung.

Dieser 3-stufige Absturz steht unmittelbar vor seinem Umbau zum durchwanderbaren Fließgewässer.

Neugierige Blicke in den Abgrund - irgendwas muss da stattfinden ...

Sorgfältig wird die Bachstrecke im Umbaubereich befischt.

Immer mit der Ruhe - diese Bachforelle ging daneben ...

Na also.

Nun also nicht golden, sondern "live" - die "Rotgetupften" - schnell zum sicheren Standort wegbringen.

Vorsichtiges, ruhiges Zurücksetzen: die Bachforellen ziehen davon.

Ein einziger, schwächelnder Fisch wird gerade hingestellt, da ist auch er wieder fit.

Ein Bisschen Ruhe noch - sie steht wie eine 1.

Im Gegensatz zu den weggeschwommenen Bachforellen bleiben die Mühlkoppen erstmal in einem Lichtfleck sitzen, eine kleine Bachforelle leistet ihnen Gesellschaft.

Nachdem die Umsetzaktion so gut gelang, haben wir doch noch etliche Fischpass-Varianten ansehen können. Die behalte ich aber eigenen Besuchen der Leser vor und zeige hier nur kleine Ausschnitte.

Kleiner Zwischenstop - man sieht, in der Fremde ist nicht nur E-Fischen gefährlich.

Nein, wir haben nicht zu viel Hasseröder getrunken und hängen hier ab! Wir konzentrieren uns auf einen Beckenpass.

Noch `ne andere Forelle, silberfarbene Alu-Variante - kaum reicht das Wasser im Beckenpass. Ich erwähnte schon an anderer Stelle den geringen Abfluss der Bäche. Während es im Sommer 2011 überall in Massen regnete, blieb der Harz allzu verschont vom wertvollen Nass.

Zum Abschluss der Exkursion noch ein Gruppenfoto mit den Ausdauerndsten am Mäander-Fischpass.

Bis zur Abfahrt der Bahn gen Norden blieb noch Zeit für einen Spaziergang.

Winkelbetrachtungen in der Altstadt.

Postkarten-Fachwerkfoto - was haben wir bloß für ein Wetter gehabt !

Da ist sie ja, die Wetterfahne, die nicht als Hahn, sondern als Fisch gestaltet ist.

Wollte hier ein Wohlmeinender die Bachfische mit Alu frischhalten?! - Liebe Leute, frischen Fischen im Forellenbach erhält man ihren sommerkühlen Lebensraum durch Beschattung, Wurzeln und fördert Turbulenz durch ein raues Bachbett.

Ein letzter Blick auf Wernigerodes Forellen - hier die häufige silberne Alu-Variante, davor die eher seltene goldgrüne-Schleie-farbene Ausnahmeform.

Schön ist`s in Wernigerode - aber ob die Harzer Brockenbahn weiter so die Luft versauen darf, sollte man schon mal überdenken.

Es lässt sich nicht verhehlen, der Herbst schickt seine ersten Boten.

Na denn, tschüß Wernigerode für 2011! – Bis bald, wir planen mal einen richtigen Urlaub hier.

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Das war die Frage, die auf einem Vortrag in Dessau beleuchtet werden sollte.

Eingeladen hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Bürgerinitiative PRO ELBE.

Wanderfische der Elbe, denen es gelang, den Hamburger Hafenbereich zu durchschwimmen, werden schon am Eingang der großen Flusssysteme Saale und Mulde gestoppt - hier: das Stadtwehr Dessau.

Die Hinfahrt per Bahn ging über Berlin.

Bei bedeckt-grauem Himmel saust der Zug entlang nicht enden wollender Maisfelder Richtung Berlin.

Flaches Land ist durch riesige Schläge gekennzeichnet.

Das früher dominierende Grünland, womöglich noch Weide, ist selten geworden.

Etwa nach 1/3 der Fahrt Richtung Berlin reisst der Himmel auf (ohne, dass etwas herausfällt) - na, das ist doch was!

Erneuerbare Energie - stellenweise definieren Windparks die Landschaft.

Kleine Unterbrechung zum Umsteigen in der Lutherstadt Wittenberg.

Irritation - ich lese "Altstadt": Wo ist denn hier die Altstadt ? !

Ahhh, andere Zugseite zum Rausgucken nutzen: die Altstadt der Lutherstadt Wittenberg.

Auffälliges Gelb entlang der Bahnstrecke: die Kanadische Goldrute hat weite Bereiche Sachsen-Anhalts im Griff.

Beim Queren der Elbe kurz vor Dessau fällt der Blick auf die Elbtalaue.

Die Elbtalaue, flächenhaftes Grün mit Büschen und Bäumen, vom Jungbaum bis zum Methusalem.

Die naturnahe Entwicklung dieser beeindruckenden Landschaft muss noch eine Fülle von Themenbereichen mit einer Vielzahl an Beteiligten klären.

Die Elbtalaue - hoher Himmel über flachem Land.

Die landschaftliche Lenkung, hier im Wulfener Bruch, soll über extensive Beweidung mit Wildtieren geschehen, Rinder und Pferde. - "Er will doch nur spielen!" - Der Bulle auf dem Foto hat sich begeistert über geschnittenes, langes Gras eine Schärpe übergeworfen.

Wie es sich für Wildtiere gehört, sind die an uns wenig interessiert. Sie weiden in großem Abstand.

„Wulfener Bruch“ ist ein Projekt des NABU Köthen, Primigenius führt die Wildherden. – Viel Gehirnschmalz, Arbeit und Überzeugung braucht noch das Gewässersystem – ökologisch zerstört, wie es sich derzeit darstellt.

Harte Unterhaltung hat aus Fließgewässern überbreite, übertiefte Kanäle entstehen lassen. Der standorttypische Bewuchs fehlt, Mähgut verrottet im Ufersaum - das entspricht verbotener Abfalllagerung.

Fehlende Beschattung durch standorttypischen, lichten Auwald führt wegen des Lichtüberangebots zu eintönigen Algenmassen. Charakteristisches Fließgewässerleben wird hier unterdrückt.

Wo sich statt Algenmassen Entengrütze (Wasserlinsen und ihre Verwandten) ausbreitet, steht es um das Fließgewässerleben nicht besser.

Sooo dick ist die Entengrütze zusammengetrieben. In dieser organischen Masse erstickt jedes Leben - so stinkt es auch aus dem grünen Haufen.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich (die Fachfrau auch): Hier müssen wir uns echt etwas einfallen lassen !

Verbesserungsmöglichkeiten lassen sich bereits hier ablesen. Der Brückenquerschnitt zeigt im Vergleich zum Gewässerufer, dass unnötig breit mit Mähkorb und/oder Bagger gewirkt wurde. Verringern "auf Normalmaß" bringt nicht nur der Ökologie Nutzen, sondern spart auch unnötige Geldausgaben.

Teil der heutigen Realität: Schlammschnecken-Overkill. Dies ist ja nur ein sichtbarer Teil des brutalen Geschehens. Zerschnitzelte Aale und Ringelnattern, auf Land gepackte und vertrocknete große Anteile des Fischbestandes und vieles mehr - all das gilt es zu minimieren ! Im Übrigen entsprechen die im Ufersaum liegenden Boden- und Leichenmassen einer unerlaubten Abfalllagerungspraxis.

Nun aber fix zurück nach Dessau.

Abendstimmung an der Elbe - es ist Zeit für den Wanderfisch-Vortrag.

Der Vortrag beleuchtet die Entwicklung der Elbe aus ihrem „Bakterien-Zustand der Abwasser-Jahrzehnte“ bis zum heutigen „Algen-Zustand“. Verbesserungen durch langjährige Abwasserreinigung und andere Effekte, die schon in den frühen 1990ern offenkundig waren, sind inzwischen teilweise zunichte gemacht, so dass die Wanderfische der Elbe wieder Verschlechterungen anzeigen.

Auch das Stadtwehr in Dessau an der Mulde wartet noch auf seine Umgestaltung, die Schaffung der Durchwanderbarkeit. Das Schlimmste, was dem Fluss und seinen Organismen passieren könnte, wäre hier ein Neubau einer Wasserkraftnutzung mit ihrem geringen energetischen Gewinn und den enormen ökologischen Schäden.

Wasser ist immer attraktiv für Menschen - man stelle sich einmal vor, die Mulde flösse hier wieder frei, welch ein Gewinn für Mensch und Natur !

Wer in Dessau übernachten möchte, sollte einmal die Internetseite des Haus Berlin ansehen.

Kleine, aber feine Adresse.

Morgendlicher Ausblick nach erholsamer Nacht. - Ob man sich nun für "Gästezimmer blau" (2-Bettzimmer) oder "Gästezimmer beige" (eine ganze Wohnung!) entscheidet: hier wohnt man ruhig und gut.

Auf dem Weg zum Frühstück - vorbei an Elefanten ...

... und jagenden Zentauren.

Bauhaus-Architektur.

Gern bin ich der Empfehlung gefolgt, auf dem Weg zum Bahnhof in der Mensa des Bauhauses zu frühstücken: eine gute Empfehlung, herzlichen Dank!

Die Elbe-Saale-Bahn steht bereit - auf geht`s nach Wernigerode in den Harz zum 7. Wildfisch-Symposium.

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